Germanwings-Katastrophe
„Für immer und ewig in unseren Herzen“
Weiße Rosen, Glockengeläut und Gebete: Angehörige und Freunde trauern um die Opfer des Germanwings-Absturzes am 24. März 2015. Weiße Rosen erinnern in Le Vernet an das mutwillig von Andreas Lubitz herbeigeführte Desaster.

© dpa/Rolf Vennenbernd
Germanwings-Gedenkstätte in Le Vernet. Mitten im Frieden hat Frankreich ein Mahnmal errichtet wie es das Land sonst nur zum Gedenken an die Opfer des 2. Weltkriegs kennt.
Von Michael Maier/dpa/AFP
Es war eine der größten Katastrophen der europäischen Luftfahrtgeschichte: Zehn Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine auf dem Weg nach Düsseldorf wird am Montag mit Blumen und Gebeten an die Opfer erinnert. 150 Menschen starben am 24. März 2015 bei dem Absturz in den französischen Alpen. Nach Überzeugung der Ermittler führte der psychisch kranke Copilot den Absturz absichtlich herbei, um sich das Leben zu nehmen.
Zehn Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Menschen an Bord in den französischen Alpen gedenken Angehörige am Montag in Le Vernet nahe der Absturzstelle der Toten. Der psychisch vorbelastete Co-Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug nach Überzeugung der Ermittler absichtlich gegen das Bergmassiv gesteuert. Niemand überlebte. Zu den Opfern zählen 72 Deutsche, unter ihnen 16 Schülerinnen und Schüler und zwei Lehrerinnen aus dem nordrhein-westfälischen Haltern am See.
Germanwings-Gedenken in Le Vernet
Viele Angehörige der Opfer sind zum Jahrestag an die Absturzstelle in der Nähe von Le Vernet im französischen Département Alpes-de-Haute-Provence gereist. Dort gibt es eine Gedenkfeier nur für die engsten Hinterbliebenen. Die Germanwings-Konzernmutter Lufthansa lädt die Angehörigen jedes Jahr dorthin ein.
In Deutschland finden die größten Gedenkveranstaltungen in Haltern am See am Nordrand des Ruhrgebiets statt. Eine ganze Schulgruppe aus der Kleinstadt saß in dem Airbus, der am 24. März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einem Bergmassiv zerschellte.
„Der Germanwings-Absturz gehört dauerhaft zur Geschichte unserer Stadt“, sagte Halterns Bürgermeister Andreas Stegemann im Vorfeld. „Diese Schockstarre, das tief empfundene Mitleid aller Bürgerinnen und Bürger mit den Familien und die Frage nach dem Warum begleiten uns bis heute.“
Weiße Rosen am Joseph-König-Gymnasium
Am Joseph-König-Gymnasium werden Schüler und Lehrer weiße Rosen für die 16 toten Schülerinnen und Schüler sowie ihre beiden Lehrerinnen niederlegen. Eine Gedenkstelle am Schulhof erinnert an die Gruppe, die auf dem Rückweg von einem Austausch mit der spanischen Partnerschule war.
Durch ihren Tod sei „unermesslich großer Schmerz über die Schulgemeinschaft“ hereingebrochen, sagte die nordrhein-westfälische Schulministerin Dorothee Feller (CDU) mit Blick auf den Jahrestag. Das Erinnern an die Opfer sei für die Schule auch heute noch wichtig. „So erleben auch viele Schülerinnen und Schüler von heute, die die Gestorbenen nicht gekannt haben, welche Kraft Liebe, Freundschaft und Zugewandtheit entfalten können.“
Kirchenglocken um 10.41 Uhr
Um 10.41 Uhr, dem Zeitpunkt des Absturzes, werden in der gesamten Stadt die Kirchenglocken läuten. Auf dem städtischen Friedhof, wo ein symbolisches Klassenzimmer an die Gruppe erinnert und einige der Schüler begraben liegen, werden Kränze niedergelegt. Am Abend ist ein Gedenkgottesdienst in der St. Sixtus-Kirche geplant.
Auch an den Flughäfen in Düsseldorf und Barcelona sind Gedenkfeiern geplant. Am Flughafen in Düsseldorf ist eine Andacht geplant. Im sogenannten Raum der Stille liegt ein Kondolenzbuch aus, in dem Mitarbeitende und Reisende ihre Anteilnahme ausdrücken können.
Neben der Gedenkstätte in Le Vernet gibt es auch ein Gemeinschaftsgrab auf dem Dorffriedhof. Dort sind die Überreste der menschlichen Körper bestattet, die keinem Opfer zugeordnet werden konnten.
Vor dem Grabstein mit den Namen aller Opfer stehen Kerzen, Gedenktafeln, ein kleines Plastikpferd. Und ein Bild der beiden Lehrerinnen aus Haltern, Stefanie und Sonja. Die eine war frisch verheiratet, die andere stand kurz vor der Hochzeit. „Für immer und ewig in unseren Herzen“, steht unter dem Bild.
Kritik an Lubitz-Eltern und Lufthansa
Zehn Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in den französischen Alpen werfen Angehörige dem Luftfahrt-Bundesamt weiter schwere Versäumnisse vor. „Es hätte auffallen müssen, dass der Co-Pilot psychologische Probleme hatte“, sagte der Anwalt Julius Reiter mit Blick auf den Co-Piloten Andreas Lubitz, der das Flugzeug mit 150 Menschen an Bord laut den Ermittlern absichtlich gegen ein Bergmassiv gesteuert hatte.
„Die Fliegerärzte haben Fehler gemacht und Lubitz durchgewunken“, ergänzte sein Kollege Elmar Giemulla in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Als ärgerlich wird von vielen auch empfunden, dass die Angehörigen des Suizid-Piloten Andreas Lubitz in einer fragwürdigen TV-Dokumentation eine absichtliche Tat in Zweifel gezogen haben, obwohl die Untersuchung zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen war.