Zweite Staffel „Like a Loser“

Julian oder die Peinlichkeit in Person

Die Fortsetzung der witzigen ZDF-Neo-Serie „Like a Loser“ mit Ben Münchow als kindsköpfiger Vater Julian Beil bietet ein famos gespieltes Pointenfeuerwerk.

Ernst Hakke (Diyar Ilhan, li.) und sein Vater Julian Beil (Ben Münchow, r.) machen bei einer Wohnungsrenovierung eine  unerwartete Entdeckung.

© ZDF/Thomas Kost

Ernst Hakke (Diyar Ilhan, li.) und sein Vater Julian Beil (Ben Münchow, r.) machen bei einer Wohnungsrenovierung eine unerwartete Entdeckung.

Von Tilmann P. Gangloff

Mit 30 zurück zu Muttern: Das allein ist eine Art Kapitulation vor dem Leben. In der ersten Staffel der ZDF-Neo-Serie „Like a Loser“ hatte der Musiker Julian zudem erfahren, dass er vor 15 Jahren einen Sohn gezeugt hat. In der zweiten will er nun beweisen, dass er Verantwortung übernehmen und dem Jungen ein guter Vater sein kann. Über diesen Umweg will er das Herz seiner Jugendliebe zurückerobern.

Das Unterfangen ist von vornherein zum Scheitern verurteilt: Denn die Lehrerin Marie mag ihn zwar nach wie vor, aber im Körper ihres früheren Freundes steckt immer noch der Teenager von einst. Ernst, der gemeinsame Sohn, ist erwachsener als sein Vater.

Er lässt kein Fettnäpfchen aus

Außerdem hat Julian (Ben Münchow) die fatale Neigung, sich ständig in Missgeschicke zu manövrieren und kein Fettnäpfchen auszulassen. Dauernd gerät sein Kopf in irgendeine Schlinge, deshalb produziert er permanent Lügen, die ihn aber nur vorübergehend retten. Zu allem Überfluss ist Maries Chef (Tom Beck) der exakte Gegenentwurf zu dem ausschließlich um sich selbst kreisenden Kindskopf Julian: Guideon bietet Marie (Tinka Fürst) jede nur denkbare Sicherheit, er ist zuverlässig und immer für sie da – aber in seiner Berechenbarkeit und als jemand, der seinen Grill mit der Zahnbürste reinigt, auch ein bisschen langweilig.

Seltsamerweise ist die 2023 ausgestrahlte erste Staffel von „Like a Loser“ bei sämtlichen TV-Preisen leer ausgegangen. Die Serie basiert zwar auf einem französischen Vorbild („Irresponsable“), aber laut ZDF ist nur die Grundidee übernommen worden: „Folgeninhalte, Plots und Figuren sind komplett neu erfunden.“ Davon unabhängig waren zumindest die Leistungen des Ensembles preiswürdig. Gerade Diyar Ilhan (Jahrgang 2002) hätte spätestens für die Fortsetzung jeden Nachwuchspreis verdient, zumal die Drehbücher Ernst diesmal noch stärker ins Zentrum rücken: Der Junge, mittlerweile 16, verliebt sich unsterblich in eine neue Mitschülerin, hat aber keine Chance, denn die coole Anna ist ein Knaller. Für Kayla Shyx (Hauptdarstellerin der Joyn-Webserie „Krass Klassenfahrt“ und des gleichnamigen Kinofilms, 2019/2021) gilt das nicht minder.

Das Timing der komischen Szenen (Regie: Sven Nagel, Aki Wegner) ist ebenfalls nah an der Perfektion. Wirklich erstaunlich ist jedoch die Gratwanderung, die Ben Münchow gelingt. „Der Cringe“ hätte als Titel auch gepasst, denn Julian ist die personifizierte Peinlichkeit.

Natürlich ist es lächerlich, wenn sich ein Kerl mit Anfang dreißig benimmt wie ein Teenager. Trotzdem gelingt es Münchow, Julian einen Rest an Würde zu bewahren. Als Lebenskünstler repräsentiert er zudem das Kind, das sich angeblich in jedem Mann verbirgt. In seinem Fall wäre „Kleinkind“ die treffendere Bezeichnung: Julian ist grundsätzlich nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Als Marie 16 Jahre nach dem ersten „Unfall“ abermals schwanger wird, lässt er Ernst zu dessen Verbitterung links liegen, weil plötzlich nur noch das (zunächst ungeborene) Baby zählt. Der Erzeuger könnte allerdings auch Guideon sein, was den Wettkampf der beiden Männer zusätzlich anheizt.

Ausgesprochenes Gute-Laune-Fernsehen

Die Drehbücher (Sandra Schröder, Frederik Hunschede, Annekathrin Lang) konfrontieren Julian in jeder der acht Folgen mit immer wieder neuen haarsträubenden, aber nie unrealistischen Situationen, die seine wechselnden Befindlichkeiten jedes Mal auf die Spitze treiben: Mal bleibt er ausgerechnet gemeinsam mit Guideon im Fahrstuhl stecken, mal fliegen die beiden Streithähne aus einem Kurs für werdende Väter, mal darf er die Klasse von Ernst beim Ausflug begleiten, nachdem er zuvor unfreiwillig dafür gesorgt hat, dass die halbe Schulbelegschaft mit Salmonellen darniederliegt.

Die Kurzweiligkeit der Episoden hat nicht nur mit ihrer überschaubaren Länge (25 Minuten) zu tun. Am witzigsten sind die Momente, in denen das Drehbuchtrio erst die Vorfreude auf eine erwartbare Pointe schürt und dann eine weitere oben drauf setzt: Julians Pläne enden grundsätzlich im Chaos; manchmal allerdings erst später. Die Dialoge sind famos, die Musikeinspielungen passen prima. Unterm Strich: ausgesprochen gelungenes Gute-Laune-Fernsehen. ZDF Neo zeigt die Serie dienstags in Doppelfolgen.

Like a Loser: ab Dienstag, 21.45 Uhr, ZDF Neo – und in der Mediathek

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Erstellt:
10. März 2025, 15:04 Uhr

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