TV-Satire

Krempel im Kinderzimmer, Ehe im Eimer

In der ARD-Beziehungssatire „Eigentlich sollten wir“ schließt sich ein frustrierter Vater einer Gruppe an, die gegen Plastikspielzeug vorgeht.

Stefan Steindl (Thomas Mraz) klebt Plastik-Warnkleber auf Spielzeugverpackungen in einem Spielzeuggeschäft im Einkaufszentrum

© BR/E&A Film/ORF/Petro Domenigg

Stefan Steindl (Thomas Mraz) klebt Plastik-Warnkleber auf Spielzeugverpackungen in einem Spielzeuggeschäft im Einkaufszentrum

Von Tilmann P. Gangloff

Jeder weiß es, keiner tut was: Plastik wird neben Rechtsruck und Klimawandel zur dritten Geißel der Menschheit, weil kleinste Partikel in die Nahrung gelangen. Eine Mitschuld an diesem Missstand tragen zumindest mittelbar ausgerechnet jene, die ihn in Zukunft ausbaden müssen: Würde aus Spielwarenläden Plastikspielzeug verschwinden, wären die Regale wie leer. Genau dies ist das Ziel einer Kleingruppe mit dem Kampfnamen „Parents against Krempel“ (PAK). Ihre subversiven Aktionen richten sich gegen einen Konzern.

Was für eine Filmidee! Und welch’ eine Unverfrorenheit von Thomas Mraz, der das Drehbuch mit Klaus Eckel verfasst hat und auch die Hauptrolle spielt, eine ganz andere Geschichte zu erzählen: Der Wiener Fotograf Stefan Steindl wird zwar zum PAK-Mitglied, und natürlich bezieht sich der Titel „Eigentlich sollten wir“ auf die Erkenntnis, dass Handlungsbedarf besteht, doch das gilt nicht nur für den Kampf gegen die Plastikschwemme, sondern auch für Stefans Ehe: Auf den ersten Blick sind die Steindls mit ihren drei Kindern eine Bilderbuchfamilie, aber die Krise zwischen den Eltern ist nicht zu übersehen. Früher war Stefan bei jeder Demo dabei, als Fotograf wie auch als Sympathisant, doch vom einstigen Revoluzzer ist nicht mehr viel übrig geblieben. Dass Gattin Marion (Marleen Lohse) als freie Grafikerin bedeutend mehr verdient als er, nagt an seinem Selbstbewusstsein. Von beruflicher oder künstlerischer Selbstverwirklichung kann ohnehin keine Rede mehr sein.

Neuer Schwung kommt ins Stefans Leben, als er im Krankenhaus Ferry (Roland Düringer) kennenlernt. Bisher richtet sich das Engagement des Tüftlers gegen die Wegwerfmentalität: Seiner Ansicht nach haben Dinge ein Recht darauf, repariert zu werden. Sein Protest gegen den Müll im Kinderzimmer beschränkt sich darauf, die Verpackungen in den Läden von „Kids and Toys“ mit Aufklebern zu versehen. Die Sticker zeigen eine diabolisch grinsende Teufelsfratze, ergänzt um den Hinweis „Ich bin aus Plastik“.

Stefan sorgt dafür, dass die Gruppe fortan strategisch vorgeht. Durch ein Video, das ihn dank eines Schweißerhelms wie Darth Vader wirken lässt, wird PAK bekannt und Stefan zum Youtube-Star. Als Konzernchefin Krüger (Aglaia Szyszkowitz) ausgerechnet Marion engagiert, um eine Kinderzeitung zu produzieren, die eine verkappte PR-Postille ist, steht das Ehepaar auf verschiedenen Seiten. Weil die PAK-Mitglieder den Konzern-Server attackieren und später auch noch Krügers Toyboy (Navid Navid) entführen, gilt die Initiative als Terrorzelle. Der Film beginnt mit Stefans Verhaftung; bei der Befragung erzählt er, wie alles angefangen hat.

„Eigentlich sollten wir“ zeichnet sich durch viele Aspekte aus: die agile Kamera (Thomas Kürzl), die temporeiche Musik (Patrik Lerchmüller), die flotte Inszenierung durch „Vorstadtweiber“-Regisseur Harald Sicheritz. Wohltuend ist auch der Verzicht auf den erhobenen Zeigefinger. Die Autoren haben zwar ein Anliegen, aber mindestens gleichwertig ist der Vorsatz, das Publikum unterhalten zu wollen. Deshalb wird die Absicht witzig verpackt, zumal die PAK-Aktionen immer anarchischer werden. Ungleich effektvoller als die Aufkleber ist die Idee, sprechendes Action-Spielzeug mit Botschaften zu versehen („Ich bin der Verschmutzer der Weltmeere“). Weil die großmütterliche Mitstreiterin Gerda (Elfriede Schüsseleder) lieber auf das Motto „Wer auffallen will, muss provozieren“ setzt, stellt sich eine wuschelige Katze nicht ganz jugendfrei vor („Ich bin die Muschi von der Uschi).“

Zu einer rundum gelungenen satirischen Komödie wird der Film durch das ästhetische Konzept. Die Farben sind kräftig, was die Atmosphäre im Haus der Steindls ausgerechnet durch das viele Plastikspielzeug kunterbunt erscheinen lässt; ganz im Gegensatz zu den giftgrün illuminierten Vernehmungen im Polizeirevier. Viele Szenen wirken, als seien sie im Studio entstanden, aber das ist angesichts der überschäumenden Fantasie des Drehbuchduos kaum der Rede wert.

Eigentlich sollten wir: Mittwoch, 26. März, 20.15 Uhr, ARD

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Erstellt:
24. März 2025, 15:16 Uhr

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