Luxussportwagenbauer

Lamborghini zeigt Porsche die Rücklichter

Italiens Luxussportwagenbauer hängen in puncto Rendite die ganze Branche ab. Dabei geht es den Unternehmen nicht in erster Linie um Stückzahlen. Sie produzieren lieber ein Auto zu wenig als eines zu viel.

Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann

© Lamborghini

Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann

Von Gerhard Bläske

Während andere Autohersteller Gewinneinbrüche vermelden und Personal abbauen, drehen die italienischen Luxusautomarken Ferrari und Lamborghini eine Rekordrunde nach der anderen. Nachdem Ferrari Anfang Februar einen Rekordumsatz von 6,7 Milliarden Euro und eine Nettomarge von 28,2 Prozent verkündet hatte, zog Lamborghini mit ähnlich positiven Zahlen nach. Mit 10 682 Verkäufen rückte die Audi-Tochter sogar ein kleines Stück näher an Ferrari heran, das auf 13 752 Verkäufe kam. Bei einem Umsatz von 3,1 Milliarden Euro wies Lamborghini eine Marge von 27 Prozent aus. Mit 1000 Verkäufen war Deutschland erstmals der zweitwichtigste Markt.

Stückpreise ab 200 000 Euro

Sowohl Ferrari als auch Lamborghini geht es nicht in erster Linie um Stückzahlen. Sie produzieren lieber ein Auto zu wenig als eines zu viel. Für Andrea Giuricin, Ökonom mit dem Schwerpunkt Transport an der Mailänder Bicocca-Universität, sind beide Firmen „eher vergleichbar mit Super-Luxus-Unternehmen wie dem französischen High-End-Luxuskonzern Hermès als mit anderen Autoherstellern.“ Bei Stückpreisen ab 200 000 Euro ist die Preissensibilität und die Abhängigkeit der Kunden von Konjunkturzyklen gering. Die Zahl der Reichen, die sich so ein Auto leisten kann, wächst stark. Die meisten dieser Kunden haben viele Autos in ihren Garagen stehen. „Unsere Kunden kaufen Autos nicht, weil sie sie brauchen, sondern weil sie sich Träume erfüllen wollen“, sagt Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann.

Doch die positive Entwicklung ist kein Selbstläufer. „Wir achten darauf, keinen Einzelmarkt zu dominant werden zu lassen“, sagt der Lamborghini-Chef. Bei beiden Sportwagenbauern trägt etwa der weltgrößte Automarkt China weniger als zehn Prozent zum Absatz bei.

Der US-Markt ist dagegen von großer Bedeutung. Zölle träfen beide durchaus. „Wenn die Preise durch Zölle steigen, geht das auch an unseren Volumina nicht spurlos vorüber“, sagt Winkelmann. Benedetto Vigna, Chef von Ferrari, meint: „Wir haben einige Gegenmaßnahmen vorbereitet.“

Exklusivität als Trumpf

Mit individualisierten Sondermodellen, die 2,5 Millionen Euro oder mehr kosten können, erzielen die beiden Sportwagenmarken besonders hohe Margen. Anders als etwa Porsche, wo die Preisliste bei etwa 60 000 Euro beginnt, gib es keine Pläne für günstigere Einstiegsmodelle. „Wir wollen uns nicht nach unten bewegen, sondern in Exklusivität investieren, um die Marge so hoch wie möglich zu halten“, sagte Winkelmann. Das Thema Elektrifizierung gehen beide entschlossen an, ohne dabei jedoch eine Vorreiterrolle zu spielen. Porsche hat seit Jahren ein vollelektrisches Auto im Angebot. Ferrari bietet zwar schon länger Hybrid-Fahrzeuge an. Doch erst Anfang Oktober soll das erste vollelektrische Modell, ein 2000 PS-starker und 500 000 Euro teurer Bolide, kommen. Lamborghini lässt sich dagegen noch mehr Zeit. 2029 ist die Markteinführung des ersten Elektroautos geplant. Der viersitzige Granturismo-Sportwagen Lanzador wird die vierte Modellreihe sein. In den vergangenen 18 Monaten wurden alle drei Lamborghini-Modellreihen mit Hybrid-Antrieben ausgestattet.

Lamborghini und Ferrari produzieren ausschließlich in Italien, im so genannten Motor Valley zwischen Modena und Bologna. Auch das erste Lamborghini-Elektroauto soll am Firmensitz in Sant`Agata Bolognese gefertigt werden. Dafür sind etwa 500 Neueinstellungen geplant. In den vergangenen zwei Jahren wuchs die Mitarbeiterzahl bereits um etwa 1000 auf 3000. Kunden müssen auf ihre Autos zwischen 1,5 und zwei Jahre warten. Die Auftragsbücher sind voll und Ferrari erwartet für 2025 eine noch höhere Marge von 29 Prozent.

Erfolg ist kein Selbstläufer

Dass Erfolg kein Selbstläufer ist, zeigt Maserati. Die Verkäufe der Stellantis-Edelmarke brachen 2024 um 64 Prozent auf 11 600 ein. 2017 waren es noch 51 500 Einheiten. Die Negativmarge lag bei minus 25 Prozent. Mangels Nachfrage wird auf eine Elektro-Version des Sportwagens MC 20 Folgore verzichtet. Stellantis-Chairman John Elkann dementiert aber Verkaufspläne.

Auch bei der Lamborghini-Schwestermarke Porsche läuft es nicht. Der Nettogewinn brach im vergangenen Jahr um 30 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro ein, die Marge ging auf 14,1 Prozent zurück. 2025 soll die sie auf zehn bis zwölf sinken. Die deutsche Edelmarke, die fast 30 mal mehr Autos verkauft als die „Schwester“ Lamborghini, leidet unter dem starken Verkaufsrückgang in China, das für fast 20 Prozent der Verkäufe steht, und einer schwachen Nachfrage. Für weitere Unsicherheit sorgen die drohenden US-Strafzölle.

Börsenliebling Ferrari

Maserati Während Lamborghini und Ferrari Mitarbeiter einstellen, sollen Beschäftigte des völlig unterausgelasteten Maserati-Werks Modena „vorübergehend“ in Serbien Fiat-Autos bauen. Und Porsche will bis 2029 etwa 3900 Stellen abbauen bzw. Zeitverträge nicht verlängern.

Aktienkurse Die negative Entwicklung bei Porsche hat Auswirkungen auf die Aktienkurse. Während die Ferrari-Aktie weiter leicht zulegt und an der Börse mit fast 80 Milliarden Euro bewertet wird, hat Porsche deutlich verloren und ist nur knapp 24 Milliarden Euro wert. Dabei verkaufte Porsche 2024 fast 311 000 Autos, Ferrari aber nur 13 752. bl

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Erstellt:
24. März 2025, 11:56 Uhr
Aktualisiert:
26. März 2025, 13:34 Uhr

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