Erderwärmung 2024 über 1,5 Grad
Lieber Angst und Wut als Klimamüdigkeit
In diesem Jahr wird es wohl erstmals 1,5 Grad wärmer als im vorindustriellen Zeitalter. Das Schlimmste wäre nun Verdrängung. Doch es gibt Ideen gegen diese Klimamüdigkeit, kommentiert unsere Autorin Julia Bosch.
Von Julia Bosch
Nun ist es passiert: 2024 wird wohl das erste Jahr, in dem es im Schnitt mehr als 1,5 Grad wärmer als im vorindustriellen Zeitalter war. Das bedeutet zwar noch nicht, dass das 1,5-Grad-Ziel verfehlt ist, weil dafür auf längerfristige Werte geschaut wird. Aber aller Voraussicht nach geschieht dies im Jahr 2028. Und sollte die Weltengemeinschaft keine höheren Klimaziele umsetzen, könnte die Erwärmung bis 2100 bei 2,8 Grad liegen.
Am 11. November beginnt die Weltklimakonferenz
Das kann einem Angst machen, einen wütend machen – oder zu noch mehr Verdrängung führen. Letzteres wäre am schlimmsten. Durch Kriege, Wirtschaftskrise und besorgniserregende Wahlergebnisse ist die Erderwärmung in Vergessenheit geraten. Experten sprechen von Klimamüdigkeit. Das spürt man auch, wenn Menschen auf den Satz: „Am 11. November beginnt die COP . . .“ mit der Frage reagieren: „Was bitte?“
Dabei liegt in der 29. Weltklimakonferenz, eine immense Chance. Dort treffen sich 40 000 Menschen – Staatschefs, Wissenschaftlerinnen, Lobbyisten und Aktivistinnen. Was dort ausgehandelt wird, ist rechtlich bindend für die Staaten. Eine Idee: endlich den weltweiten Klimanotstand auszurufen. Zudem könnte man den Emissionshandel insofern ausweiten, als dass jeder Einzelne ein CO2-Budget bekäme. Wer nicht alles aufbraucht, könnte Teile verkaufen. Dadurch würden Reiche, die meist mehr Emissionen emittieren, mehr zahlen. Und die klimamüden Menschen würden wach werden.