ARD-Serie
Warum „Marzahn mon Amour“ genau ins Herz trifft
Der ARD-Sechsteiler „Marzahn mon Amour“ zeigt einen Mikrokosmos, in dem die kleinen und großen Geschichten des Lebens zwischen Fußbad und Hornhauthobel verhandelt werden.

© ARD Degeto Film/UFA Fiction/Oliv
Jenny (Yvonne Yung Hee Bormann), Lulu (Deborah Kaufmann) und Kathi (Jördis Triebel) schmeißen die „Beauty Oase Marzahn“.
Von Carolin Klinger
Sommerliche Hitze senkt sich über die Plattenbauten im Berliner Kiez Marzahn, wo sich Kathi Grabowski (Jördis Triebel) in der „Beauty Oase“ als Fußpflegerin bewerben will. Eigentlich ist sie Schriftstellerin, doch die Aufträge bleiben aus, und als ihr Partner sie verlässt, muss sie einen Weg finden, sich und ihre 18-jährige Tochter Lilly (Maja Bons) über Wasser zu halten. Zeit für einen Neuanfang, findet Kathi, schult um und beginnt bei ihrer neuen Chefin Jenny (Yvonne Yung Hee Bormann) und deren kreativer Mitarbeiterin Lulu (Deborah Kaufmann).
Zwischen Fußbad und Hornhauthobel lernt Kathi die hauptsächlich älteren Menschen aus der Umgebung mit ihren großen und kleinen Nöten kennen und versteht allmählich, dass es in dem Salon um mehr als nur Kosmetik und Wellness geht. Hier, wo sich die zunächst kühl wirkende Jenny seit Jahren weigert, die Preise zu erhöhen, geht es um Menschlichkeit und Nächstenliebe. Hier kennt man sich, lästert übereinander, aber hilft sich auch gegenseitig, wenn es darauf ankommt.
Die sechsteilige ARD-Dramedy-Serie „Marzahn mon Amour“ basiert auf dem gleichnamigen autofiktionalen Bestseller von Katja Oskamp. Dieser begegneten bei ihrer Arbeit als Fußpflegerin eben diese Geschichten, die das Leben schrieb und die sie auf ehrliche, aber liebevolle Weise zu Papier brachte. Regisseurin Clara Zoë My-Linh von Arnim, die zuvor bei „Die Zweiflers“ Regie führte, ist es gelungen, den Stoff auf eine ebenso feinfühlige Art filmisch umzusetzen.
Der spezielle Charme des Berliner Stadtteils Marzahn, einst das größte Plattenbaugebiet der DDR, wird in kleinen Ausschnitten zwischen den Szenen immer wieder eingefangen. Die Schauspielerinnen und Schauspieler haben größtenteils selbst eine Verbindung zu Ostberlin, so wie beispielsweise Hauptdarstellerin Jördis Triebel, die in den Achtzigerjahren mit ihrer Familie in Marzahn lebte. Sie ist die Idealbesetzung für die Rolle der Kathi Grabowski, die sie mit viel Wärme und Witz ausfüllt.
Mit ihr zusammen taucht man gerne in den Mikrokosmos des Beautysalons ein und verliert sich zwischen den Nöten und Freuden, die die Kundinnen und Kunden bei einer entspannenden Fußmassage, einem selbst mitgebrachten Käffchen oder auch mal einem Eierlikör von sich geben. Während die Fußpflegerin ihnen lauscht, oder zwischen die Fronten bei Streitereien ihrer Kolleginnen gerät, sind ihr ihre Gedanken bereits im Gesicht abzulesen. Allen ihren Kunden und Kundinnen begegnet sie mit Respekt und Güte, selbst wenn es sich dabei um ihren früheren Nachbarn Herr Schimke (Hermann Beyer) handelt, der in Stasi-Manier auftritt.
Angenehm ist es dagegen mit der lebenslustigen Frau Baumüller (Eva Weißenborn), die zwischendurch kleine Lebensweisheiten von sich gibt: „Das Internet ist nüscht anderes als ein Plattenbau. Jeder kann allet sehen und hören.“ Im Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen ändert Kathi auch ihre Haltung zu sich selbst. Eine Serie, so wohltuend wie ein kühles Fußbad in sommerlicher Hitze.
Marzahn mon Amour. Freitag, 21. März, ab 23.50 Uhr, ARD – in der ARD-Mediathek läuft der Sechsteiler bereits ab diesem Freitag, 14. März.