Verleumdungsklage nach Tod von Kim Sae-ron

YouTuber Lee Jin-ho unter Druck

Journalist und YouTuber Lee Jin-ho sieht sich nach dem Tod der Schauspielerin Kim Sae-ron schweren Vorwürfen ausgesetzt. Die Familie der verstorbenen Schauspielerin hat nun rechtliche Schritte gegen ihn eingeleitet.

Ein Trauerzug trägt die Gedenktafel und das Porträt der verstorbenen Schauspielerin Kim Sae-ron in einer Trauerhalle in Seoul am 19. Februar 2025. Die 24-Jährige wurde am 16. Februar in ihrem Haus in der Hauptstadt tot aufgefunden.

© IMAGO / Newscom / Yonhap News

Ein Trauerzug trägt die Gedenktafel und das Porträt der verstorbenen Schauspielerin Kim Sae-ron in einer Trauerhalle in Seoul am 19. Februar 2025. Die 24-Jährige wurde am 16. Februar in ihrem Haus in der Hauptstadt tot aufgefunden.

Von Katrin Jokic

Schwere Vorwürfe gegen Lee Jin-ho

Die Kontroverse nahm ihren Anfang, als die YouTube-Plattform Hoverlab (Garo Sero Institute) behauptete, Lee habe im Auftrag des Schauspielers Kim Soo-hyun gezielt negative Videos über Kim Sae-ron produziert. Der YouTuber wies diese Anschuldigungen entschieden zurück und erklärte, nie mit Kim Soo-hyun oder dessen Management in Kontakt gestanden zu haben. Zudem betonte er, dass die Informationen in seinen Videos von Kim Sae-rons Manager stammten und nicht manipulativ dargestellt worden seien.

Seine Videos, die sich mit dem Privatleben der Schauspielerin befassten, sorgten jedoch für massive Kritik. Besonders ein Versuch, Kim Sae-ron während einer Live-Übertragung telefonisch zu erreichen und sie für ihr Schweigen zu kritisieren, stieß auf Ablehnung. Auch sein Anruf bei der Familie der Verstorbenen einen Tag nach der Beerdigung wurde als unangebracht empfunden. Kim Sae-rons Vater äußerte öffentlich, dass seine Tochter unter den Berichten von Lee Jin-ho stark gelitten habe und dass dessen Verhalten während der Trauerzeit auch deren Familie zusätzlichen Schmerz verursacht habe.

Auch Kim Sae Rons ehemaliger Schauspielkollege und Ex-Freund Kim Soo Hyun steht nach dem Tod der Schauspielerin in der Kritik.

Öffentliche Empörung und Forderung nach Regulierung

Die öffentliche Empörung über Lees Berichterstattung führte dazu, dass eine Petition zur Regulierung von YouTubern gestartet wurde (1). Diese fordert strengere Regeln für Inhalte, die das Privatleben von Prominenten betreffen. Innerhalb kurzer Zeit erreichte die Petition über 50.000 Unterschriften – genug, um eine Prüfung durch das südkoreanische Nationalparlament auszulösen.

Familie reicht Klage gegen Lee Jin-ho ein

Am 17. März 2025 reichte Kim Sae-rons Familie laut The Korea Times schließlich eine Verleumdungsklage gegen Lee Jin-ho bei der Polizei in Seoul ein (2). Ihr Anwalt Boo Ji-seok erklärte in einer Pressekonferenz, dass Kim Sae-ron durch die Berichterstattung des YouTubers schweren psychischen Belastungen ausgesetzt war.

Die Anklage wegen Verleumdung sei jedoch nur ein juristischer Begriff, so der Anwalt. Tatsächlich sehe man Lees Handlungen als eine Form von Mord. Er forderte, dass die Schwere des Falls in einem möglichen Strafmaß berücksichtigt werde.

Besonders brisant sind die Aussagen der Familie, dass Kim Sae-ron sich nach der Veröffentlichung von Lees Videos mehrfach selbst verletzt habe. Der YouTuber habe wiederholt falsche Behauptungen über sie verbreitet, was letztlich zu ihrer schweren emotionalen Krise beigetragen habe.

Nach ihrem Tod habe Lee alle entsprechenden Videos auf privat gestellt, was die Familie als Versuch wertet, Beweise zu vernichten.

Mögliche weitere rechtliche Schritte

Die Klage gegen Lee Jin-ho ist möglicherweise erst der Anfang weiterer rechtlicher Schritte. Laut der Familie sollen nicht nur er, sondern auch andere YouTuber und Online-Plattformen zur Verantwortung gezogen werden, die sich an der Verbreitung falscher Informationen beteiligt haben.

Während der Fall weiter an Dynamik gewinnt, bleibt die Debatte über die Verantwortung von Online-Journalisten und YouTubern für die psychische Gesundheit von Prominenten in Südkorea hochbrisant. Der Ausgang der juristischen Auseinandersetzung könnte weitreichende Folgen für die Regulierung von YouTube-Inhalten haben.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter www.telefonseelsorge.de erreichbar. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/

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Erstellt:
18. März 2025, 08:22 Uhr

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