Skifahrer in Norwegen verschüttet

Wie überlebt man sieben Stunden unter einer Lawine?

Ein von einer Lawine verschütteter Skifahrer ist in Norwegen nach sieben Stunden lebend gerettet worden. Er überlebte in einem Hohlraum unter dem Schnee.

Ein Lawinensuchhund hat sich bei einer Übung in eine Schneehöhle vorgegraben.

© Imago/Andia

Ein Lawinensuchhund hat sich bei einer Übung in eine Schneehöhle vorgegraben.

Von Markus Brauer/dpa

Ein von einer Lawine verschütteter Skifahrer ist in Norwegen nach sieben Stunden lebend gerettet worden. Wie norwegische Medien am Mittwoch (19. März) berichtet haben, steckte der Tourist im nordnorwegischen Lyngen unter einer etwa 1,5 Meter dicken Schneeschicht fest.

Der Mann befand sich demnach in einem Hohlraum im Schnee, was ihm offenbar das Leben rettete. Den Berichten zufolge konnte der Mann aus dieser Lufttasche heraus selbst die Polizei anrufen.

„Ersticken innerhalb von zehn Minuten“

Menschen, die eine Lawine überlebten und unter Schnee begraben werden, „ersticken normalerweise innerhalb von zehn Minuten“, sagt Lawinenforscher Audun Hetland. „Einige überleben länger. Aber sieben Stunden sind in der Geschichte fast einzigartig.“

„Ich war sehr überrascht, dass er noch lebte“, erklärt der Hundetrainer Kristian Midtgard, der den Verunglückten gemeinsam in der Nacht zum Mittwoch mit seinem Suchhund Whiskey fand. „Alle Statistiken und die Erfahrung sagen, dass das nicht möglich ist, wenn man so lange begraben ist.“ Lyngens Bürgermeister Erik Larsen spricht gar von einem „Wunder“.

Der Überlebende war den Berichten zufolge Teil einer Gruppe aus drei ausländischen Touristen, die trotz Lawinenwarnung in dem Gebiet Ski fuhren. Ein weiterer der Skifahrer wurde ebenfalls von der Lawine mitgerissen und landete in einem Fjord. Er schaffte es, wieder an Land zu kommen. Eine Skifahrerin aus dem Trio wird weiter vermisst.

So kann man sich vor Lawinen schützen

Nach Anagebn von Experten könnte jeder zweite Lawinenunfall vermieden werden. Die meisten Lawinenabgänge sind von Ski- und Snowboardfahrern selbst verschuldet. Die Gefahren abseits der Skipisten wird trotz Warnschildern häufig nicht gesehen und die Situation falsch eingeschätzt. Um das eigene Leben und das anderer Personen zu schützen, sollte man folgende Regeln unbedingt beachten:

Lawinenberichte lesen

Vor jeder Tour aktuelle Lawinenberichte verfolgen: In jedem Skigebiet in den Alpen gibt es Servicenummern und Internetangebote mit regionalen Infos zu Schneesituation und Lawinengefahr. Grundsätzlich: Erst Lawinenberichte checken, dann ab auf die Piste.

Niemals solo

Nie alleine abseits markierter Pisten fahren: Eine Dreiergruppe ist Pflicht. Einer kann beim Verletzten oder Verschütteten bleiben, der Dritte holt Hilfe. Denn: Über Leben und Tod entscheiden oft nur wenige Minuten.

Gemeinsam fahren

Auf gefährdeten Hängen ausreichenden Abstand zu anderen Ski- und Snowboardfahrern halten. Auf Risse und Vibrationen in der Schneedecke achten und verdächtige Geräusche frühzeitig erkennen.

Warnschilder

Warnschilder beachten: Lawinengefährdetes Gelände sollte man ganz meiden und potenzielle Gefahrenstellen großräumig umfahren.

Ausrüstung

Zu den unentbehrlichen Schutzmaßnahmen gehört die richtige Sicherheitsausrüstung: Lawinen-Rucksack mit Airbag, Schneeschaufel aus Carbon, Lawinen-Sonde (dünnes, zusammensteckbares Aluminiumrohr) und Peilsender (elektronisches Lawinenverschüttetensuchgerät).

Keine Hänge queren

An Lawinenhängen Querung vermeiden: Schon durch die kleinste Belastung kann die instabile Schneedecke losgetreten werden. Das eigene Körpergewicht oder ein Abstoßen mit dem Skistock genügen mitunter, um eine Lawine auslösen.

Vor allem während des Tages und bei Sonneneinstrahlung kann der Schnee schwer und nass werden und Schneebretter ins Rutschen kommen. Schneebrettlawinen sind besonders gefährlich, da sie sich bei geringem Druck lösen können und alles mit sich reißen.

Steile Hänge meiden

Je steiler der Hang, desto größer ist die Lawinengefahr: Die Hälfte aller Lawinenunfälle passieren an Abhängen, die steiler als 40 Grad sind. Gerade solche Pisten sind es, die Ski- und Snowboardfahrer zu leichtsinnigen Manövern verleiten. Schattige Nordhänge sind bei Neuschnee und steigenden Temperaturen besonders gefährlich.

So sollte man sich bei Lawinenabgängen verhalten

Im Schnitt kommt es nach Angaben des Deutschen Alpenvereins (DAV) pro Jahr zu etwa 100 Lawinentoten in den Alpen. Wer in eine Lawine gerät, kann seine Überlebenschancen durch richtiges Verhalten erhöhen.

Skiausrüstung abwerfen

Wenn keine Möglichkeit mehr besteht, den Hang hinabzurasen und so vor der Lawine zu fliehen, sollte man Skistöcke (das hat absolute Priorität), Skier oder Snowboard abwerfen.

Nach oben „schwimmen“

Wer von einer Lawine mitgerissen wird, muss den Lawinen-Airbag im Rucksack auslösen. Mit Schwimmbewegungen sollte er versuchen, sich an der Oberfläche zu halten und an den Rand des Schneeabgangs zu gelangen.

Atemhöhle bilden

Sobald sich die Lawine verlangsamt, sollte man sich zusammenzukauern sowie Arme und Hände über Mund und Nase zu einer Atemhöhle wölben. Wenn man einmal unter einer Schneedecke begraben ist, kann man selbst seine Finger oft nicht mehr bewegen.

Verschüttet

Soweit die Theorie. In der Praxis gelingt es jedoch nur wenigen, diese Verhaltensregeln auch anzuwenden. In der Regel ist die Wucht der Lawine zu groß, um noch kontrolliert zu agieren. Laut Statistik sind die meisten Lawinenopfer in einer Tiefe von wenigen Dutzend Zentimetern bis eineinhalb Metern verschüttet.

Größte Gefahr: Ersticken

Da Lawinenschnee komprimierter und schwerer als Pulverschnee ist, lastet ein enormes Gewicht auf Brustkorb und Lunge. Der Körper wird nicht mehr ausreichend durchblutet, Arme und Beine fangen schnell an zu erfrieren. Hinzu kommt, das Mund und Nase meist durch Schnee verstopft sind und der Atem den Schnee vereisen lässt.

Die meisten Lawinenopfer sterben deshalb nicht an Unterkühlung oder an ihren Verletzungen, sondern ersticken unter den Schneemassen. Die Überlebenschance Verschütteter sinkt bereits nach 15 Minuten drastisch. Nach einer Stunde kann nur noch jeder Dritte lebend geborgen werden. Nach mehr als zwei Stunden sinkt die Überlebensrate auf weniger als zehn Prozent.

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Erstellt:
20. März 2025, 11:32 Uhr
Aktualisiert:
20. März 2025, 17:41 Uhr

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