Streit um Baden-Badener Pfarrer
Gemeinde fordert Erzbischof zum Einlenken auf
Im Streit über die Abberufung des reimenden Pfarrers von Baden-Baden gibt es keine Annäherung. Die Gemeinde sieht jetzt den Erzbischof am Zug. Für eine Umkehr sei es nie zu spät.

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Die Geister, die Erzbischof Stephan Burger mit der Abberufung des Baden-Badener Pfarrers rief, wird er so schnell nicht wieder los.
Von Eberhard Wein
Im Streit über die Abberufung des katholischen Pfarrers von Baden-Baden, Matthias Koffler, bleiben die Fronten verhärtet. Bei einem „langen und intensiven Gespräch“ mit dem Freiburger Generalvikar Christoph Neubrand und dem örtlichen Dekan Lorenz Seiser in Baden-Baden habe man die Positionen noch einmal ausgetauscht, heißt es in einer Erklärung des Pfarrgemeinderats. Eine Annäherung lässt sich den Zeilen allerdings nicht entnehmen.
Demnach hätten der Generalvikar und der Dekan noch einmal die Gründe erläutert, die zur Absetzung des beliebten Pfarrers geführt hätten. Koffler hatte sich in seiner gereimten Fasnachtspredigt darüber lustig gemacht, dass in Beschwerdebriefen an die Kirchenleitung thematisiert worden sei, dass er in die Sauna gehe und in kurzen Hosen durch die Stadt jogge. Die Predigt sei ein wesentliches Element der Verkündigung und dürfe nicht dafür verwendet werden, persönliche Konflikte zu bewältigen, habe Neubrand erklärt. Dies stelle aus Sicht der Diözesanleitung ein Verstoß gegen die Einheit der Kirche dar.
Gemeinde bleibt unbeeindruckt
Doch offenbar konnte der zweite Mann im Erzbistum den Pfarrgemeinderat damit nicht überzeugen. „In diesem Punkt wurden klare Differenzen in der Wahrnehmung der Situation zwischen der Diözese und den anwesenden Vertreterinnen und Vertretern unserer Gemeinde deutlich“, heißt es in der schriftlichen Mitteilung des Pfarrgemeinderats.
Die Mehrzahl der Pfarrgemeinderäte und der Gemeindeteamsprecher hätten unmissverständlich verdeutlicht, dass man „die Wiedereinsetzung des Pfarrers als geschätzten Seelsorger“ erwarte. Das Gremium hege die große Sorge, dass „die aktuellen Entwicklungen das Vertrauen in die Kirche erheblich geschädigt“ habe. „Der Schaden ist immens“, sagte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Markus Bähr. Bei einem öffentlichen Abendgebet am Freitag wurde erneut die Rückkehr des Pfarrers verlangt. Auf einer Internetseite bekundeten schon 2800 Menschen ihre Solidarität. Auch eine örtliche Jugendband äußerte in einer schriftlichen Erklärung ihre Enttäuschung über die Erzdiözese.
Jetzt ist der Einsatz des Erzbischofs gefragt
Das Erzbistum bestätigte, dass ein zweieinhalbstündiges moderiertes Gespräch stattgefunden habe. Es sei dem Generalvikar vor allem darum gegangen zuzuhören. Weitere Gespräche sollten folgen. Allerdings machte der Pfarrgemeinderat deutlich, dass sich für eine Heilung und Versöhnung nun auch Erzbischof Stephan Burger einbringen müsse. Dessen Initiative werde „für unumgänglich erachtet“, stellte der Pfarrgemeinderat fest. „Es wurde nicht nur die Forderung nach Umkehr und Revidierung der Entscheidung laut, sondern auch der Glaube daran, dass es niemals zu spät sei, eine Veränderung herbeizuführen“.